Kolpingarbeit in Benin oder: Wie eine Ziege Leben rettet

Marcellin Djanato ist Geschäftsführer des Kolping-Nationalverbandes Benin. Auf der Diözesanversammlung 2007 in Köthen berichtete er den Delegierten über seine Heimat und bedankte sich für die Hilfe aus Deutschland. Federführend ist hierbei die Kolpingsfamilie Altenhundem aus dem Diözesanverband Paderborn, welche das Land seit 1990 unterstützt und nun vor Ort unter anderem ein Krankenhaus unterhält. Dort erhält man schnelle medizinische Hilfe, auch wenn man arm ist und die Behandlung nicht bezahlen kann.

Tatsächlich fehlt es in Benin an einer funktionierenden medizinischen Infrastruktur. Immerhin hat das Staatsoberhaut, Dr. Boni Yayi, im November 2011 ein Programm zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung für alle Beniner gestartet. Ab April 2012 soll diese – für jeden bezahlbar – eingeführt werden. Dennoch wird die medizinische Unterversorgung des Landes nicht so schnell beseitigt werden können. Ebenso wenig die grenzenlose Armut, die Hungersnot und die fehlende Bildung. Die Analphabetenquote liegt bei 60 % (bei Frauen sogar 75 %). Wer nicht lesen und schreiben kann, hat kaum die Aussicht, je einen Beruf zu erlernen oder seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Das Land ist daher auch auf internationale Hilfe angewiesen. Diese bekommt es unter anderem vom Internationalen Kolpingwerk. 21 Kolpingsfamilien haben sich schon gegründet. Das Werk zählt derzeit 2025 Mitglieder, Tendenz steigend. Die Menschen spüren, dass sie durch die Hilfe von Kolping International in die Lage versetzt werden, mit eigener Kraft eine eigene Existenz zu schaffen und sich selbst aus ihrer problematischen Situation zu lösen. Nun sind sie offen für einen intensiveren Austausch mit dem deutschen Ausland.

Die Suche nach einem Partnerverband führte Marcellin Djanato 2007 in den Diözesanverband Magdeburg. Mit 52 Ja-Stimmen und einer Enthaltung entschieden sich die Delegierten auf der Diözesanversammlung, partnerschaftliche Kontakte mit Benin aufzubauen.

Berno Wendt, seine Frau Angela und Rolf Hoffmann machten sich 2008 ein eigenes Bild von der Situation vor Ort. Im November 2010 besuchte unser Diözesanvorsitzender erneut das Land und war erstaunt über die vielen Projekte, die auch mit der Hilfe des Diözesanverbandes Magdeburg gestartet wurden.

Ich habe Berno Wendt für unsere Mitgliederzeitschrift KOLIBRI zu seinen Eindrücke befragt. Mich hat interessiert, wofür unsere Spendengelder vor Ort eingesetzt werden bzw. wo weitere Hilfe benötigt wird.


KOLIBRI: Berno, im Hinblick auf unsere Partnerschaft zu Benin, was bedeutet für dich Partnerschaft?

Partnerschaft mit Benin heißt für mich gemäß dem Leitspruch von Adolph Kolping „Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist“, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Nöte zu sehen, bedeutet nicht nur, vor Ort zu schauen, sondern auch seinen Blick für andere Länder zu weiten. Außerdem heißt Partnerschaft für mich, den eigenen Horizont zu erweitern. Ich lerne sehr viel von den Kolpingschwestern und Kolpingbrüdern aus Benin.

 

KOLIBRI: Wann warst du das letzte Mal in Benin? Wie war die Situation vor Ort?

Ich habe Benin im Oktober 2012 das letzte Mal besucht. Dort hat sich mächtig viel getan. Es sind einige Projekte hinzugekommen. Man merkt, wie diese ihre Wirkung zeigen. Denn die Mitgliederzahl hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt, von 1000 auf rund 2000 Mitglieder. Auch in den Strukturen wird der Nationalverband langsam klarer.

 

KOLIBRI: Welche Initiativen und Aktivitäten werden derzeit von unserem Diözesanverband unterstützt?

Die Spendengelder gehen zum einen in das Krankenhaus. Es werden dringend Medikamente gebraucht, umStarthilfe für die eigene Existenz die Apotheke aufzufüllen. Bei meinem letzten Besuch war sie schon fast leer.  Außerdem werden Brillen benötigt. Ich hatte einen ganzen Schwung mit, aber wir brauchen mehr. Ein weiteres Projekt findet im Bereich Viehzucht und Ackerbau statt. Man kann z.B. eine Ausbildung für die Ziegenzucht absolvieren und bekommt bei erfolgreichem Bestehen drei Ziegen und einen Ziegenbock als Starthilfe zur Existenzgründung geschenkt. Außerdem erhält man Material zum Bauen eines Stalls. Mit dieser Unterstützung haben sich schon viele Menschen aus ihrer Armut retten können. Denn Ziegen sind ein guter Fleischlieferant und zu bestimmten Zeiten, z.B. bei muslimischen Festen, richtig teuer.

Dann gibt es noch die Lehrausbildung für die Schreiner. Außerdem wurde ein Minikreditsystem aufgebaut. Dafür wurde vor Ort eine Sparkasse gegründet, welche Geld an Einzelpersonen vergibt, die sich selbständig machen wollen, z.B. mit einem Verkaufstisch. Nach zwei Jahren muss der Kredit wieder an die Kasse zurückgezahlt werden. Das funktioniert prima.

Zum Schluss fällt mir noch ein Mädchengymnasium ein, für welches unsere Spenden auch eingesetzt werden.

 

KOLIBRI: Werden auch Sachspenden benötigt?

Aktuell sollten wir Brillen sambeim Optikermeln. Dabei kann jeder mithelfen. Das wäre auch eine schöne Aufgabe in den Kolpingsfamilien, die damit die Eine-Welt-Arbeit aktiv unterstützen kann. Am besten ist es, wenn der Optiker vor Ort gleich die Brillenstärke bestimmt. Denn mein Optiker hat schon sehr viel damit zu tun.

 

KOLIBRI: Wie kommen die Sachspenden ins Partnerland?

Die nehmen wir beim nächsten mal mit.

 

KOLIBRI: An welches Konto können Geldspenden gerichtet werden?

An das Konto des Kolpingwerkes Diözesanverband Magdeburg e.V. bei der Bank für Kirche und Caritas Paderborn, Kontonummer: 20 900 700, Bankleitzahl: 47 260 307. Als Verwendungszweck reicht das Stichwort „Benin“. Für das Krankenhaus bitte „Benin Krankenhaus“ angeben.

 

KOLIBRI: Wie kommt das Geld an die richtige Stelle?

Die Spenden laufen über Kolping International. Das Krankenhaus wird gesondert unterstützt über den Entwicklungshilfeverein Altenhundem.

Übrigens gehen 20 % der Einahmen aus unserem TATICO-Verkauf auch nach Benin.

 

KOLIBRI: Wann ist die nächste Reise nach Benin geplant?

Ein konkreter Termin steht noch nicht fest. Aber wir werden sicher bald wieder fliegen, zusammen mit einer Gruppe aus Altenhundem. Auf jeder unserer Reisen würden wir gerne mehr aus unserem Diözesanverband mitnehmen. Denn schließlich bedeutet Partnerschaft ja nicht, dass nur meine Frau, Rolf Hoffmann und ich den Kontakt aufrecht erhalten. Wer daher Interesse hat, mit uns zu reisen, kann sich gerne bei mir melden.

 

KOLIBRI: Was wäre dabei zu beachten?

Man müsste sich schnell entscheiden, da dann noch eine Reihe von zeitversetzten Impfungen ansteht.

 

KOLIBRI: Wie sieht es mit Gegenbesuchen aus Benin aus?

Marcellin war 2011 bei uns zu Gast. Ich habe mit ihm einige Kolpingsfamilien und Jugendliche im Kolping-Berufsbildungswerk Hettstedt besucht. Wir waren unter anderem in Burg. Die Kolpingsfamilie dort unterstützt Benin schon seit vielen Jahren sehr intensiv.

 

KOLIBRI: Welchen Wunsch hast du an die Kolpingsfamilien oder dem Diözesanverband Magdeburg?

Ich wünsche mir, dass unsere Kolpingsfamilien jeweils eine Partnerschaft mit einer Kolpingsfamilie in Benin übernehmen. Das wäre ein lang ersehnter Wunsch der Beniner Kolpingmitglieder.

 

von Bernadette Proske (z.T. entnommen aus der Mitgliederzeitschrift des Kolpingwerkes DV Magdeburg "KOLIBRI", Ausgabe 1/2012)